Bandt & Panne in Kiel (Konzertbericht)

Die zwei Liedermacher Sven Panne und Bastian Bandt taten sich diesen November zum ersten Mal für vier gemeinsame Konzerte zusammen. Ein Bericht von einem abwechslungsreichen Liederabend mit sowohl Solo-Sets als auch Annäherungen im Zusammenspiel: Kiel, Schaubude, 23. November 2016.


Schaubude
Die Kieler Schaubude

Ein paar Stühle und ein paar Behelfs-Sitzplätze, etwa in Form von Bierkisten, sind in der Kieler Schaubude aufgestellt, um eine gute Zuhör-Atmosphäre zu schaffen. Dass viele Sitze davon leer blieben, ist für die Künstler sicherlich schade, aber schafft Raum für ein ganz intimes Konzerterlebnis unter den Gästen und lädt die Musiker vielleicht ein, vor intensivem Experimentieren nicht zurückzuschrecken, wie sich im Verlauf des Abends zeigen wird.

Sven Panne betritt die Bühne und macht zu leisen Tönen auf seinem E-Klavier zunächst eine Ansage zum Konzept des Abends: „Ich werde ein Weilchen spielen, dann kommt Bastian, danach machen wir ein kurzes Päuschen. Dann spielen wir noch ein gemeinsames Set, wo wir uns so ein bisschen die Lieder zuwerfen.“ Nachdem alle geduldig auf einen Nachzügler-Gast gewartet haben, geht es mit den Songs Wo wir sind und Mein Herz brennt schließlich richtig los: beide kraftvoll und schnell und zum Mitstampfen geeignet. Aber auch nachdenklichere Töne werden im Laufe von Pannes 25minütigen Set angeschlagen. Die Rockchansons sprechen in Bildern und lassen Interpretationsspielraum, aber bleiben dabei letztlich unverschleiert: „Ab heute fließt das Gift durch deine Venen“, so etwa beginnt ein Song. Ein Motiv, das häufig im sechs-Lieder-langen Set durchscheint, ist der Blick in die Vergangenheit. In den Zwischenmoderationen macht sich Sven Panne einen Spaß daraus, im Assoziationsketten-Stil ins Philosophieren zu kommen, etwa von Kiels Lage an der Ostsee zur relativen Wahrnehmung von Entfernungen: Wie viel man als junger Mensch durch die Gegend gelaufen ist: 11km Heimweg nach der Disco war’n ‘n Klacks!“

Bastian Bandt, der bislang als aufmerksamer Zuschauer im Publikum gesessen hat, löst seinen Kollegen ab. Auch er macht lange erzählerische Ansagen, ganz in Liedermacher-Manier – vielleicht etwas zielgerichteter und weniger assoziativ als Panne. Der gitarrespielende Songpoet beginnt mit zwei deutschen Adaptionen fremdsprachiger Lieder: ZAZ’ Port Coton dreht sich dann plötzlich um den Siebenschneiderstein, einen Findling auf Rügen. Vor seiner Übersetzung des Restraining Order Blues von den Eels erklärt Bandt den Wert eigener Nachdichtungen oder Übersetzungen dieser Art: Englisch habe er nicht als Schulfach gelernt, nur Russisch und Latein: „Und es gibt wenig gute Songs auf Latein.“ Aber auch Bandts eigene Songs überzeugen. Sein Gitarrenstil ist sehr abwechslungsreich, er bewegt sich zwischen leisem Fingerpicking und verschiedenen Schlagtechniken – auch vor blues-artigen Akkordfolgen und Zwischenspielen wird kein Halt gemacht. Die Songtexte kommen bisweilen etwas kryptisch daher, sodass sich die Poesie beim ersten Hören vielleicht nur ansatzweise erschließt. Mit dem Song Es rollt, der 2017 auf einem neuen Album erscheinen soll, entlässt Bastian Bandt das Publikum in die Pause: „Träumen im Liegen / Lieben im Fliegen / Machen, was muss / Keine Ketten am Fuß“

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